Die Villa
Wachwitz, Wollner und die Villa - ein Blick zurück
Wachwitz - das ist Idylle pur am Rande der Großstadt. Rechts der Elbe, an die beinahe bis zum Flussufer reichenden Hänge geschmiegt, siedelten hier seit dem Mittelalter zunächst Leute, die vom Fluss lebten - Fischer, Treidler, Schiffer. Später kamen Obst- und Weinbauern hinzu: An den sonnenverwöhnten Elbhängen wächst noch heute guter Wein.
Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts geriet das Dorf nach und nach ins Blickfeld der Dresdner - als Obst-, Gemüse- und Weinlieferant, als Sommerfrische oder Zweitwohnsitz. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts siedelte sich hier auch die sächsische Königsfamilie an - es entstanden ein "Königlicher Weinberg" und die "Königliche Villa", der bevorzugte Wohnsitz des letzten sächsischen Königs Friedrich August III. bis 1918.
Diese allerhöchste Aufmerksamkeit hatte für Wachwitz Folgen: Die Hanggrundstücke hoch über der Elbe wurden bei Residenzlern, die es sich leisten konnten, begehrt. Es entstanden teure Villen als Hauptwohnsitze - so auch die spätere Wollnervilla.
1844 kaufte ein Johannes Hinck dem Wachwitzer Johann Gottlieb Ehlich ein ausgedehntes Flurstück mit Weinberg ab, fortan bezeichnet als "Hinckescher Berg".
1861 ging der mit einigen weiteren Grundstücken an den Herausgeber des "Dresdner Anzeigers", Justus Friedrich Güntz.
1875, kurz vor seinem Tod, ließ Güntz anstelle alter Bauten eine Villa aus zwei rechtwinklig zueinander stehenden Flügeln bauen.
Der Bauherr liebte den Gartenbau. Deshalb entstand zudem eine Gewächshausanlage, in der sogar Ananas getrieben wurde. Ein Wasserturm samt einem 5000 Liter fassenden Kupferbehälter sorgte für die Bewässerung. Dessen obere Turmplattform, mit einem eisernen Geländer versehen, diente als Aussichtstpunkt - bis 1959 das Bauwerk gesprengt wurde.
1881 ging der gesamte Besitz an den aus Russland zurückgekehrten Großindustriellen Julius Robert Spies und, zumindest zu großen Teilen, schließlich 1898 an dessen Schwiegersohn, den Fabrikbesitzer Robert Wollner.
1908 endlich beauftragte Wollner den Architekten Wilhelm Kreis mit dem Umbau des Hauptgebäudes zu einer prunkvollen neobarocken Villa: mit einem Portikus an der Westseite und einem Wintergarten an der Ostseite. Die Südseite wurde durch eine geschwungene doppelläufige Freitreppe geschmückt, die zu einem Wasserbecken und in den weitläufigen Park führte.
Das Grundstück erhielt eine breite Auffahrt von der Pillnitzer Landstraße mit einem prächtigen schmiedeeisernen Tor, der Park aufwändige Terrassenanlagen, einen Teepavillon und zahlreichen plastischen Schmuck.
1928, nach dem Tod des Ehepaars Wollner, erwarb deren Villa, jetzt "Am Steinberg 14", die Sächsische Erholungsfürsorge und richtete dort ein Heilerziehungsheim für jugendliche "Bettnässer" ein.
Etwa 1935 übernahm eine SS-Führerschule die Villa. Der SS folgte der "Reichsarbeiterdienst", im Park entstanden Baracken für eine Reichsarbeitsdienst-Führerschule, im Zweiten Weltkrieg eine "Führerinnenschule".
1945, wenige Monate nach Kriegs-Ende, wurde die Wollnervilla zu einer "Heimschule für Lehrerbildung". Bis 1950 wurden hier Neulehrer, von 1952 bis 1958 im nunmehrigen "Institut für Lehrerbildung" Grundschullehrer ausgebildet.
1958 wurde die Villa zu einem der Lehrgebäude des Dresdner "Pädagogischen Institutes Karl Friedrich Wilhelm Wander". Bis zu 200 Studenten lebten in den Internatsbaracken. Seit 1966 dienten Villa und Baracken nur noch als Wohnheim des Pädagogischen Institutes.
Ab 1989 stand die Wollnervilla leer und verfiel - bis sie der Freistaat 1999 verkaufte. Seitdem befreiten die privaten Besitzer mit Liebe und riesigem Aufwand das Gebäude von vielen Um- und Einbauten und rekonstruierten die ursprüngliche Innenarchitektur.
Das Ergebnis ist beeindruckend stilvoll und ausgewogen und ließ Villa wie die große Parkanlage zu einem idealen Ort für Veranstaltungen kleinen und großen Stils werden.
Quelle:
Buch Elbhang-Kurier-Verlag
"Wachwitz Geschichte eines Fischer- und Weindorfes"